Ein Helm ist die günstigste Versicherung, die du auf dem Velo dabeihast. Aber er schützt nur dann richtig, wenn er passt und korrekt eingestellt ist. Hier zeige ich dir, worauf es beim Kauf wirklich ankommt.
Die Passform ist das Wichtigste
Vergiss für einen Moment Farbe, Marke und Preis. Der wichtigste Punkt ist, dass der Helm zu deinem Kopf passt. Ein Helm, der wackelt oder drückt, verliert einen Teil seiner Schutzwirkung.
Miss zuerst deinen Kopfumfang: Nimm ein Massband und leg es rund einen Zentimeter über den Augenbrauen um den Kopf – dort, wo der Helm später sitzt. Der Wert in Zentimetern gibt dir die Grösse. Die meisten Hersteller arbeiten mit Bereichen wie S (ca. 51–55 cm), M (ca. 54–58 cm) und L (ca. 57–61 cm). Die Angaben unterscheiden sich je nach Marke, darum ist Anprobieren durch nichts zu ersetzen.
So stellst du den Helm richtig ein
- Position: Der Helm sitzt waagrecht, die Vorderkante rund zwei Fingerbreit über den Augenbrauen. Nicht in den Nacken schieben – die Stirn muss geschützt sein.
- Verstellrad: Fast alle Helme haben hinten ein Drehrad. Zieh es so an, dass der Helm ohne Riemen fest sitzt und beim Kopfschütteln nicht rutscht.
- Seitenriemen: Das Y der Riemen soll knapp unterhalb der Ohren zusammenlaufen.
- Kinnriemen: Zwischen Riemen und Kinn passt etwa ein Finger. Wenn du den Mund weit öffnest, muss der Helm leicht nach unten ziehen.
Ein gut eingestellter Helm hält auch bei offenem Kinnriemen von selbst am Kopf. Das ist der einfachste Test.
Norm EN 1078 – die Grundlage
Jeder Velohelm, den du in der Schweiz und der EU kaufst, muss die Norm EN 1078 erfüllen. Sie regelt unter anderem die Dämpfung beim Aufprall, die Festigkeit des Verschlusses und das Sichtfeld. Ein Helm ohne dieses Zeichen gehört nicht auf den Kopf. Die Norm ist die Basis – kein Qualitätssiegel für Komfort oder Belüftung, aber die Sicherheit muss stimmen.
MIPS: Schutz gegen Rotation
Viele Stürze treffen den Kopf nicht gerade, sondern schräg. Dabei entstehen Drehkräfte, die für das Gehirn heikel sind. MIPS ist eine dünne, bewegliche Schicht im Innern, die sich beim Aufprall minimal gegen die Aussenschale verschiebt und einen Teil dieser Rotation abbaut. Es gibt auch andere Systeme mit ähnlichem Ziel. Pflicht ist es nicht, aber ich empfehle es – gerade im Gelände oder bei viel Verkehr.
Belüftung, Gewicht und Verschluss
- Belüftung: Mehr und grössere Öffnungen halten den Kopf im Sommer kühl. Wer viel schwitzt oder mit dem E-Bike zügiger unterwegs ist, profitiert davon spürbar.
- Gewicht: Ein leichter Helm (grob 250–350 g) sitzt auf längeren Touren angenehmer. Achte aber nicht nur aufs Gewicht – die Passform geht vor.
- Verschluss: Ein Magnetverschluss lässt sich auch mit Handschuhen einhändig schliessen. Kein Muss, aber praktisch.
Sichtbarkeit
Gesehen werden ist Sicherheit. Helle Farben und reflektierende Elemente helfen in der Dämmerung. Manche Helme haben ein integriertes Rücklicht – eine sinnvolle Sache für den Alltag und den Weg zur Arbeit.
Wann der Helm ersetzt gehört
Zwei Regeln sind einfach und wichtig:
- Nach jedem Sturz mit Kopfaufprall wird der Helm ersetzt – auch wenn er heil aussieht. Der Hartschaum im Innern dämpft einmal, danach ist seine Wirkung dahin. Feine Risse siehst du oft von aussen nicht.
- Nach rund fünf Jahren solltest du auch einen unbeschädigten Helm ablösen. UV-Licht, Schweiss und Temperatur lassen das Material altern. Das Herstelldatum findest du meist innen aufgedruckt.
Ein Helm, der jahrelang in der prallen Sonne oder heiss im Auto lag, altert schneller.
E-Bike: höhere Ansprüche
Mit dem E-Bike bist du im Schnitt schneller unterwegs, und das über längere Distanzen. Ein gut belüfteter, gut sitzender Helm mit Rotationsschutz macht hier besonders Sinn. Für schnelle S-Pedelecs (bis 45 km/h) gilt in der Schweiz Helmpflicht, und es gibt spezielle Helme, die mehr vom Kopf abdecken und für höhere Tempi geprüft sind – frag im Zweifel nach, welcher Helm für dein Velo passt.
Komm zur Anprobe vorbei
Jeder Kopf ist anders geformt, und kein Datenblatt ersetzt das Gefühl auf dem Kopf. Bei mir in der Werkstatt in Merenschwand führe ich ABUS-Helme, und wir nehmen uns die Zeit, das passende Modell zu finden und richtig einzustellen. Ruf an oder komm einfach vorbei – so gehst du mit einem Helm nach Hause, der wirklich sitzt.