Die Tage werden kürzer, morgens liegt Nebel über dem Reusstal und das erste Laub klebt auf der Strasse. Der Herbst ist eine der schönsten Zeiten auf dem Velo — man muss nur ein paar Dinge beachten, damit die Fahrt sicher und angenehm bleibt. Hier meine wichtigsten Tipps aus der Werkstatt.

Sehen und gesehen werden

Das ist im Herbst mit Abstand das Wichtigste. Es wird früh dunkel, und gerade bei uns rund um Merenschwand kommt schnell Nebel dazu. Fahr ab jetzt grundsätzlich mit Front- und Rücklicht — nicht nur, um selber etwas zu sehen, sondern vor allem, um für Autos rechtzeitig sichtbar zu sein.

Moderne LED-Lichter mit Akku sind hell und schnell montiert. Kontrolliere vor jeder Ausfahrt kurz den Ladestand, ein leeres Rücklicht bringt dir nichts. Dazu helle oder reflektierende Kleidung, am besten mit Reflektoren an den Knöcheln — die Bewegung fällt im Scheinwerferlicht besonders auf. Reflektoren an Pedalen und Speichen sind kein alter Zopf, sie wirken.

Nasses Laub und rutschige Strassen

Feuchtes Laub, Rollsplitt und die ersten kalten Strassen sind tückisch. Der Grip ist deutlich schlechter als im Sommer, und der Bremsweg wird länger. Nasses Laub versteckt zudem gerne mal ein Schlagloch oder einen Randabschluss.

Fahr im Herbst vorausschauender: früher und sanfter bremsen, in Kurven weniger Schräglage, und auf Laub, Bodenmarkierungen und Kanaldeckeln möglichst aufrecht und ruhig bleiben. Wer hektisch bremst oder lenkt, kommt genau dort ins Rutschen.

Reifen und Grip

Breitere Reifen mit weniger Druck sind heute Standard — und im Herbst spielt das seine Stärke aus. Weniger Luftdruck bedeutet eine grössere Auflagefläche und damit mehr Halt auf nasser Fahrbahn. Als grobe Richtwerte: ein 28-mm-Rennreifen fährt sich je nach Gewicht mit etwa 5 bar angenehm, Gravel- und MTB-Reifen deutlich tiefer, oft im Bereich von 1,5 bis 2,5 bar. Bei Tubeless kannst du noch etwas weiter runter, ohne Durchschläge zu riskieren.

Wichtig ist auch das Profil: schau dir die Reifen an, bevor die kalte Jahreszeit richtig losgeht. Wer viel und bei jedem Wetter fährt, ist mit einem etwas gröberen oder pannensicheren Reifen gut bedient. Bei E-Bikes lohnt sich der Blick besonders — das höhere Gewicht und die Motorunterstützung belasten Reifen, Kette und Bremsen spürbar stärker.

Das Zwiebelprinzip

Bei kühlen Temperaturen kleidest du dich am besten in Schichten. Eine atmungsaktive Unterschicht, eine wärmende Zwischenschicht und aussen eine wind- und wasserabweisende Jacke. So kannst du regulieren: am Anfang friert man, nach zehn Minuten ist einem oft schon zu warm.

Nicht vergessen: An den Extremitäten frierst du zuerst. Gute Handschuhe, eine dünne Mütze unter dem Helm und Überschuhe machen den grössten Unterschied. Für längere Touren lohnt sich etwas Verpflegung und ein warmes Getränk dabei — bei mir findest du dazu die Riegel und Gels von Winforce.

Der Herbst-Check: Velo winterfit machen

Bevor Nässe und Salz kommen, gehört das Velo einmal richtig durchgeschaut. Das spart am Ende Geld, denn ein gepflegtes Velo hält länger und muss seltener in den grossen Service.

  • Kette: reinigen und frisch ölen. Eine verschmutzte Kette wirkt wie Schmirgelpapier auf Kettenblatt und Kassette. Mit einer Kettenlehre lässt sich der Verschleiss messen — ab etwa 0,5 % Längung gehört die Kette getauscht, bei 0,75 % ist meist auch die Kassette fällig.
  • Bremsen: Scheibenbremsen sind heute an fast allen neuen Velos Standard. Kontrolliere die Belagstärke und die Bremsscheiben. Nach nassen Fahrten verschleissen Beläge schneller.
  • Beleuchtung und Schaltung: alles auf Funktion prüfen, Schaltung sauber einstellen.
  • Reifen: Profil, Druck und Zustand — siehe oben.
  • Helm: Achte auf die Norm EN 1078, den europäischen Sicherheitsstandard für Velohelme. Ein Modell mit MIPS kann bei schrägen Stürzen zusätzlich helfen. Nach einem Sturz gehört der Helm ersetzt, auch wenn man ihm äusserlich nichts ansieht. Bei schnellen E-Bikes (S-Pedelec bis 45 km/h) ist ein Helm übrigens Vorschrift.

Übergang zur Winterpflege

Fährst du im Winter weiter, ist regelmässiges Reinigen entscheidend — Salz und Nässe greifen Kette, Schrauben und Lager an. Ein kurzer Abspritzer und ein Nachölen nach jeder Salzfahrt genügen oft schon.

Wer das Velo einwintert, reinigt und ölt es einmal gründlich, pumpt die Reifen auf und lagert es trocken. Beim E-Bike den Akku nicht in der Kälte lassen: bei rund 50 bis 60 % Ladung und kühler Zimmertemperatur bleibt er am längsten fit.

Wenn du unsicher bist oder keine Lust auf die Bastelei hast — komm einfach bei Wolf Cycling in Merenschwand vorbei. Ich schaue dein Velo für den Herbst durch, oder du rufst kurz an und wir machen einen Termin ab.