Der Winter ist für dein Velo die härteste Zeit des Jahres. Salz, Nässe und Kälte setzen dem Material zu — mit etwas Pflege kommt dein Rad aber ohne Schaden durch die kalte Saison. Hier meine wichtigsten Punkte aus der Werkstatt.

Salz und Schmutz regelmässig abwaschen

Korrosion ist der grösste Feind am Velo, und im Winter ist das Streusalz der Übeltäter. Es kriecht in jede Ritze, setzt sich an Schrauben, Kette und blanken Metallteilen fest und frisst mit der Zeit alles an.

Wasch dein Rad darum regelmässig mit lauwarmem Wasser und einem milden Reiniger ab — besonders nach Fahrten auf gesalzenen Strassen. Halt den Hochdruckreiniger von Lagern, Naben und Bremssätteln fern, sonst drückst du Wasser dorthin, wo es nicht hingehört. Danach gut trocknen lassen und bewegliche Teile wieder nachschmieren.

Kette reinigen und mit Nass-Schmierstoff pflegen

Die Kette braucht im Winter am meisten Zuwendung. Reinige sie zuerst von altem Öl und Dreck, dann kommt frischer Schmierstoff drauf — im Winter am besten ein Nass-Schmierstoff (Wet Lube). Der haftet besser und wird bei Nässe nicht so schnell ausgewaschen wie ein Trockenöl. Öl auf die Rollen geben, kurz einziehen lassen und den Überschuss abwischen, sonst zieht die Kette nur Schmutz an.

Kontrolliere auch den Kettenverschleiss mit einer Kettenlehre. Als Richtwert: Bei modernen 11- und 12-fach-Ketten gehört die Kette bei rund 0,5 % Längung ersetzt, bei älteren 8- bis 10-fach-Antrieben bei etwa 0,75 %. Wer zu lange wartet, ruiniert Kassette und Kettenblätter gleich mit. Gerade bei E-Bikes lohnt sich der regelmässige Blick — der starke Antrieb (Bosch, Shimano, Yamaha) belastet die Kette deutlich mehr, sie längt sich schneller.

Bremsen, Beläge und Züge prüfen

Scheibenbremsen sind heute an fast jedem neuen Velo Standard und funktionieren auch bei Nässe zuverlässig. Trotzdem gehören die Beläge kontrolliert: Ist der Reibbelag zu dünn, müssen sie raus — im Winter nutzen sie sich durch den Schmutz schneller ab. Bei Felgenbremsen prüfst du zusätzlich die Felgenflanke.

Wirf auch ein Auge auf Züge und Hüllen: Dringt Wasser ein und gefriert, geht Schalten und Bremsen plötzlich schwer. Läuft etwas hakelig, lass die Züge kontrollieren oder ersetzen.

Licht und Reflektoren

In der dunklen Jahreszeit ist die Beleuchtung im Dauereinsatz. Prüf vor jeder Fahrt, ob Front- und Rücklicht funktionieren, und halte Reflektoren sauber und intakt. Bei Akkulampen behältst du den Ladestand im Blick, beim Dynamo checkst du die Kontakte. Sichtbarkeit ist im Winter kein Luxus, sondern Sicherheit.

E-Bike-Akku richtig behandeln

Kälte mag der Akku gar nicht — bei tiefen Temperaturen sinkt die Reichweite spürbar. Ein paar einfache Regeln helfen:

  • Nimm den Akku ab, wenn das E-Bike draussen oder im kalten Keller steht, und lagere ihn bei Zimmertemperatur.
  • Lade ihn nie eiskalt. Lass ihn zuerst auf Raumtemperatur kommen, dann erst ans Ladegerät.
  • Für längere Standzeiten den Akku weder ganz leer noch randvoll lagern — ein mittlerer Ladestand ist am schonendsten.

So bleibt die Kapazität länger erhalten.

Reifen und Grip

Breite Reifen mit eher tieferem Druck sind heute Standard und geben gerade auf kaltem, nassem Belag mehr Grip; Tubeless ist mittlerweile weit verbreitet. Orientier dich am Druckbereich, der auf der Reifenflanke steht, und wähl im Winter eher das untere Ende — abhängig von Reifenbreite und deinem Gewicht. Wer regelmässig auf Schnee und Eis unterwegs ist, fährt mit groben Winterreifen oder Spikes deutlich sicherer.

Frühlings-Check nicht vergessen

Nach dem Winter hat sich einiges an Salz und Schmutz angesammelt. Ein Frühlings-Service bringt dein Velo wieder in Topform: durchputzen, Verschleissteile prüfen, alles neu einstellen.

Wenn du unsicher bist oder keine Zeit für die Winterpflege hast — komm bei mir in Merenschwand vorbei oder ruf kurz an. Ich schau mir dein Velo an und mach es winterfest.